"Die zweite Chance müssen sich Unternehmer verdienen." KSV gegen eine automatische Entschuldung

     
 

Im aktuellen Print-Elektrojournal spricht Hans-Georg Kantner über die Insolvenz-Situation in der Elektrobranche, warum die Pleiten sinken und die Passiva steigen. Im zweiten Teil lobt der Insolvenz-Experte des KSV die "zweite Chance" für mittelständische Unternehmer. Wenig hält er von einer automatischen Entschuldung, wie sie dem Justizministerium vorschwebt. Kantner befürchtet eine Destabilisierung.

Hans-Georg Kantner
Hans-Georg Kantner
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Die Europäische Union stellte ein Grundsatzpapier vor, den "Small Business Act", der mittelständischen, insolventen Unternehmern eine raschere Entschuldung ermöglichen soll. Das Österreichische Justizministerium griff die Ideen auf und überlegt, sie für Österreich umzusetzen. Der "Small Business Act" beinhaltet unter anderem den Vorschlag, insolvente Unternehmer innerhalb von drei Jahren automatisch von seinen Schulden zu befreien, um ihm so schnell wie möglich eine neue Chance am Markt zu eröffnen. Kantner ortet an dieser Stelle Probleme, Unternehmer könnten genau das ausnutzen, sich abputzen und auf die Rückzahlungen bewusst pfeifen. "Wir befürchten eine Destabilisierung eines funktionierenden Systems. Viele Unternehmer werden sich nicht mehr bemühen, durch die Zahlung fairer Quoten ihre Schulden abzubauen", so Kantner zu Elektrojournal Online.

Kantner hält sehr viel von der "zweiten Chance" in ihrer derzeitigen Form. "Ich glaube Österreich bietet exemplarisch und beispielhaft Unternehmern eine zweite Chance, ihr Unternehmen zu sanieren. Die ‚zweite Chance‘ nützen Jahr für Jahr ein Drittel aller insolventen Unternehmen. Die Message: Eine Insolvenz sei nicht das Ende, die Chancen auf eine Entschuldung stünden gut. "Wer aber grob lügt, mit den Gläubigern und der Bank schlitten fährt, wird keine Sanierungsmöglichkeit haben", warnt Kantner und rät, mit offenen Karten zu spielen. "Wer die 'zweite Chance' braucht und will, bekommt sie, wer sie nicht verdient oder sie nicht will, nicht." Derzeit werden in Österreich insolventen Unternehmer über sieben Jahre lang gepfändet. Über eine Verkürzung dieser Zeit wird nachgedacht und diskutiert. Mangels Masse abgewiesen. Und dann?

In der Elektrobranche wurden laut KSV 2011 21 Fälle mangels Masse abgewiesen. Was passiert eigentlich mit diesen Unternehmen? "Genau wissen wir das nicht, weil das Verfahren nicht eröffnet wird", so Kantner. "Die Abweisungen resultieren Großteils aus Gläubiger-Anträgen, nicht aus Schuldneranträgen:" Oft seien die Unternehmen bereits geschlossen, die Inhaber pfeifen aber auf den Gang zum Insolvenzgericht. "Einige Unternehmen wursteln trotz Abweisungen noch weiter." Das kann zur Entziehung der Gewerbebefugnis führen, was aber dauert. Übrigens: Dientsnehmer bekommen beim Insolvenzentgeltfonds ihre ausstehenden Gehälter ausbezahlt.

Und wie sieht's mit Negründungen in der E-Branche aus? Kantner sieht die Elektrosparte als Wachstumsbranche. "Alles was mit Energie zu tun hat, hat Potenzial, glaube ich." Aber auch Gesundheit, Wellness und Pflege blühende Bereiche.

Quelle: Elektrojournal

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